01.01.2017 – 00:00:00

19.10. KRE.V.: ZUR IDEENGESCHICHTE DES KOMMUNISMUS – REVOLUTION UND ERLÖSUNG

Doors

7 pm

Vortrag und Diskussion mit

Christian Schmidt

 

Gemeinsam mit dem

Kulturraum e. V.

Dass die Theologie dem Historischen Materialismus auf zwar verborgene, aber doch entscheidende Weise zu Diensten sein soll, war nicht nur die leitende Idee von Benjamins Thesen über den Begriff der Geschichte. Der Verdacht, ein theologischer Rahmen präge die linken Revolutionsprojekte, wurde auch benutzt, um sie als krypto-religiöse Projekte mit Zielen, die nicht von dieser Welt sind, zu diffamieren. Und tatsächlich kennzeichnet die post-sowjetische Gefühlswelt, wie sich den von Swetlana Alexijewitsch aufgezeichneten Protokollen entnehmen lässt, die Erfahrung eines Verlustes höheren Ziels – von etwas, das größer ist als die sprichwörtlichen Bananen.

 

Der Vortrag soll zeigen, wie zweifelsohne Hegels Geschichtsphilosophie theologische Konzepte an die Russische Revolution vererbt hat, die heute zu solchen Verlusterfahrungen führen. Aber entgegen einer verbreiteten Diagnose bezieht sich dieses Erbe auf das politische Wissen, das in der theologischen Tradition vorhanden ist, und nicht auf eine übersinnliche Kenntnis vom vorgezeichneten Lauf der Geschichte. Hegel und die Marxisten wussten ziemlich gut, dass ein historisches Projekt wie die Revolution ein Ziel voraussetzt, das in der gegenwärtigen Welt schon vorhanden ist, deren Wirklichkeit aber auf tiefgreifende Weise umgestalten soll. Ideen wie Freiheit und Gerechtigkeit beschwören das Bild einer anderen Welt herauf, die von Unterdrückung und Ausbeutung befreit ist. Wie die religiösen Bewegungen vor ihnen mussten daher auch die Revolutionärinnen und Revolutionäre eine Gemeinschaft begründen, die sich ganz ihrem historischen Ziel verschrieb, um die Vision der Erlösung von den ausgemachten Übeln zu erreichen. Die kommunistische Partei war der Versuch eine kämpfende Organisation zu schaffen, die einen solchen universalistischen Anspruch verwirklichen sollte. Sie krankte aber an all den Problemen – wie Dogmatismus und Fanatismus –, die militanten religiösen Bewegungen bereits bekannt waren.

 

Der Grundgedanke des Vortrags ist es daher, die Politische Theologie nicht als allzu leichtes Argument gegen die Idee des Kommunismus in Stellung zu bringen, sondern sie als reichhaltige Quelle einer komplexen Analyse der Probleme kommunistischer Politik und ihrer Organisationsformen zu verstehen.

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