01.01.2017 – 00:00:00

02.11. KRE.V: KOMUNISTKA. DIE UTOPIE DER REVOLUTION VON GESCHLECHTER-, LIEBES- UND REPRODUKTIONSVERHÄLTNISSEN

Doors

7 pm
FELICITA REUSCHLING

Vortrag und Diskussion mit Felicita Reuschling

Gemeinsam mit dem Kulturraum e. V.

Felicita Reuschling: Komunistka. Die Utopie der Revolution von Geschlechter-, Liebes- und Reproduktionsverhältnissen

Beginn: 19:00

 

Mit der Oktoberrevolution gingen nicht nur manifeste politische und ökonomische Veränderungen einher, mit dem Ziel eine kommunistische Gesellschaft zu verwirklichen, traten die Bolschewiki auch an, die herrschenden Vorstellungen von Familie und Geschlechterverhältnis umzuwälzen. Ideen von alternativen Gesellschaftsformen fernab feudaler oder bürgerlich-kapitalistischer Strukturen mündeten in eine Welle revolutionärer Umstrukturierungen:

In den frühen Jahren bolschewistischer Regierung wurde diesen utopischen Vorstellungen mit verschiedenen Gesetzen Rechnung getragen: so wurden Abtreibungen legalisiert, Homosexualität entkriminalisiert und ein für den Beginn des 20. Jahrhunderts progressivstes Ehe- und Scheidungsgesetz verabschiedet. Auch wurden durch kollektive Wohnformen und Erziehung, sowie gezielte Ausbildung versucht Frauen den Zugang zur Arbeitswelt und damit auch zum politischen Leben zu ermöglichen. Das Zusammenleben sollte frei von religiösen Normen sowie dem Leben in Kleinfamilien sein, welche die zu überwindenden Gesellschaften kennzeichneten.  Das Aufbruchsdenken einer noch jungen Revolution ermöglichte ebenfalls das Ausprobieren neuer Lebensentwürfe: Diskurse in deren Mittelpunkt Polyamorie und freie Liebe standen, führten zu einer Vielzahl von praktizierten Formen des Zusammenlebens, von denen noch heute Film und Literatur der frühen Sowjetunion zeugen. Eine der aktivsten Vordenkerinnen war Alexandra Kollontai, die als einzige Frau des ZK der KPdSU in ihren Schriften nicht nur Überlegungen für dieses Zusammenleben anstellte, sondern dies auch selbst praktizierte.

Der Vortrag soll dieses Gemengelage differenzieren und mit dem Fokus auf das Geschlechterverhältnis einen Überblick über die unterschiedlichen Versuche eine kommunistische Gesellschaft zu verwirklichen liefern. Dies soll nicht unkritisch geschehen. So stieß die Euphorie der ersten Jahre alsbald auf ihre Grenzen. Viele Fortschritte wurden zwischen dem Fortbestehen patriarchaler Strukturen und den Sachzwängen des nachrevolutionären  Staatssozialismus zerrieben, gerieten zu de jure Postulaten oder wurden  gar ganz zurückgenommen.

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