01.01.2017 – 00:00:00

15.05. KRE.V: UNIVERSALISMUS UND ANTIUNIVERSALISMUS

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7 pm

Die Aufklärung hat dem Menschen versprochen, Individuum sein zu dürfen und (politisches) Subjekt sein zu sollen. Dieses Versprechen war aber von Beginn an ein dialektisches, da der naturwissenschaftlich begründete Emanzipationsprozess, der den Menschen in das Wissen ob seiner leiblichen Existenz jenseits göttlicher Vorsehungen versetze, zugleich auch eine Omnipotenzphantasie in die Welt zauberte: war der (christliche) Gott entthront, enthronisierte sich nun der Mensch selbst an seiner Statt. Das liberale Versprechen auf Freiheit wurde so zu einem halbierten: schloss es doch weite Teile der Menschheit aus, durch die neuen Ideen der Anthropologie und Ethnologie, die die Grundlage für rassistische und antisemitische Diskriminierung bildeten. Und durch die in der liberalen Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit, die zugleich Basis der modernen patriarchalen Situierung bürgerlicher Vergesellschaftung wurde. Das Versprechen der Aufklärung war also, philosophisch betrachtet, ein universalistisches — in seiner Konstituierung aber strukturell halbiert und damit, so paradox es scheinen mag, auch die philosophische Grundlage für antiuniversalistisches Denken.

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