01.01.2017 – 00:00:00

29.11. KULTURLOCKDOWN IN SACHSEN

Doors

1:12 pm
Was bedeutet die neue Corona-Schutzverordnung? Wie geht es weiter? Können wir bald endlich wieder gemeinsam Clubkultur feiern? Spoiler: Das Reopening ist geplatzt und auch das Programm bis mindestens Ende des Jahres wird nicht stattfinden. Die aktuelle Corona-Schutzverordnung ist zerstörerische Realität.
 
Zur Einordnung:
Wir haben jetzt 1,5 Jahre alles gegeben, permanent über unsere Kapazitätsgrenzen hinweg gearbeitet, jeden Mehraufwand möglich gemacht, zahlreiche Projekte gestemmt und krampfhaft versucht, die Hoffnung nicht zu verlieren. Vor ca. genau einem Jahr hat der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer persönlich bei uns angerufen und sich für unseren Einsatz im Corona-Testzentrum bedankt, als es diese Zentren in Leipzig noch gar nicht gab. Seit Beginn der Pandemie haben wir zu einem solidarischen Umgang mit der Krise aufgerufen und unsere eigenen Hygienekonzepte waren teilweise “strenger” als politisch verordnet. Wir haben unsere Verantwortung zu jeder Zeit reflektiert und wahrgenommen. Auch seitens der Politik musste die Kultur großspurig als Anreiz für die Impfkampagne herhalten. Letzte Woche lag uns erstmals der Entwurf der neuen Schutzverordnung vor. Während andere Akteur*innen versucht haben Kritik an der 2G Pflicht laut zu machen – die wir freiwillig umgesetzt hätten – kamen für uns die zusätzlichen Beschränkungen (Abstand, Maske & Kapazitätsbegrenzung) überraschend. Unsere eindringliche Bitte diesen unvorhergesehenen Todesstoß für die Kultur in letzter Minute abzuwenden, blieb von Ministerpräsident Kretschmer unkommentiert. Petra Köpping hingegen inszenierte sich auf einer Pressekonferenz immerhin in Mitgefühl, suggerierte aber auch, dass wir zu Unrecht überrascht seien und es ja Fördermittel geben würde. Abgesehen vom Hohn, der in dieser Aussage mitschwingt und der uns fassungslos macht, formulieren wir das mal so: Wir sind enttäuscht über fehlenden Austausch und Ansprechpartner*innen sowie die mangelnde Informationslage, selbst bei zuständigen Ämtern, die uns bis zuletzt nicht ausreichend Auskunft geben konnten. Wir sind müde von der permanenten Verantwortungsverschiebung und betonen hier nochmal: die aktuell geltenden Fördermaßnahmen gehen maßgeblich an der Arbeitsrealität in der Kultur, speziell der Clubkultur, vorbei.
 
 
Wir haben in den letzten Wochen unseren Betrieb wieder voll hochgefahren und mit maximaler Auslastung gearbeitet, um die Wiedereröffnung vorzubereiten, die uns mit dem 2G Modell nach so langer Zeit endlich wieder möglichst sicher realisierbar schien. Die DOSIS Ausstellung wurde zurückgebaut, letzte Renovierungen vorgenommen, viel entrümpelt und geputzt, das Programm geplant, Promo vorbereitet und Plakate gedruckt, Bestellungen vorgenommen, unsere Abläufe und Strukturen reaktiviert, viele Einstellungsgespräche wurden geführt und endlich gab es wieder ein gemeinsames Ziel, für das wir alle brennen.
Jetzt stehen wir erneut vor einem riesigen Trümmerhaufen:
Wir müssen 10 Festangestellte in Kurzarbeit schicken. 0% Einnahmen bedeuten 100% Kurzarbeit, obwohl es gerade mehr als genug zu tun gibt.
Wir müssen über 80 Minijobber*innen wieder kündigen, bevor sie ihre erste Schicht antreten konnten.
Die geleisteten Überstunden aus der Vorbereitung zur Wiedereröffnung können bis auf weiteres nicht vergütet werden.
Alle Bookings bis zum Jahresende wurden bereits gecancelt, das entspricht 80 Acts, die nicht auftreten und keine Gage erhalten können.
Erneute Existenzangst ist wirtschaftlich begründet, da wir aktuell nicht davon ausgehen können, dass es Bestrebungen gibt die nun eintretenden, monetären Verluste zu kompensieren.
Aus der Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden sowie der erneuten Perspektivlosigkeit erwächst ein enormer psychischer Druck der quasi nicht auszuhalten ist.
Wir sind wütend und enttäuscht, aber auch einfach müde.
 
Empfehlen können wir euch an der Stelle nochmal die Pressekonferenz der LISA und danken allen, die das auf die Beine gestellt haben und Einblicke in ihre Situation möglich gemacht haben. 
 
Wir fordern:
Entweder: einen klar benannten Lockdown für Clubs und Kulturräume, in denen es nicht möglich ist Abstand einzuhalten und eine angemessene finanzielle Kompensation des eingetretenen und eintretenden Schadens.
Oder:
+ Die Aufhebung der Masken- und Abstandspflicht und Prüfung geeigneterer Maßnahmen (zum Beispiel 2G+) die keine Schließung erfordern
+ Regionalisierte Auflagen, die eine Unterscheidung zwischen Inzidenz- und Hospitalisierungsraten bei Ungeimpften gegenüber Geimpften machen
 
Lasst euch impfen oder lasst euch boosten, sobald ihr könnt. Wir müssen uns jetzt erstmal sammeln und melden uns so bald wie möglich zurück.
Wenn ihr uns in der Zwischenzeit direkt support wollt, könnt ihr aktuell die DOSIS III Publikation vorbestellen.
 
Institut fuer Zukunft
 
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