01.01.2017 – 00:00:00
28.02.’24

Reports 07/23 [de]

Disclaimer:
Im IfZ arbeiten ungefähr 150 Menschen mit 150 verschiedenen Perspektiven. Die Reports erscheinen nun alle 3 Monate und werden von wenigen Personen verfasst, die Crew kann Anmerkungen machen. Nicht immer spiegeln Formulierungen alle Perspektiven wieder oder werden allen Bedürfnissen gerecht. Dies ist ein Versuch einen Einblick von außen in die komplexe Struktur “IfZ” zu geben. Es sind dabei immer Momentaufnahmen von Positionen und Prozessen, die sich auch verändern können, da wir bemüht sind unser Handeln ständig zu reflektieren. Wir gehen diesen Schritt, da wir davon überzeugt sind, dass offene und transparent nachvollziehbare Reflexion unabdingbar sind um diskriminierende Strukturen zu entlarven und schrittweise aber nachhaltig abzubauen. Wir möchten damit Accountability herstellen und das IfZ greifbarer machen. Danke!

 

Vorwort: Wir möchten uns bei Vertreter*innen aus der BIPoC Community Leipzig bedanken, die Ideengeber*innen für dieses Format waren. Anfang Juni haben wir verschiedene BIPoC Akteur*innen der Leipziger Clubszene und/oder BIPoCs, die schlechte Erfahrungen im IfZ machen mussten zu einem Treffen eingeladen. Unsere Intention ist es, vergangene Fehler zu verstehen, um sie in Zukunft zu vermeiden und Angebote zur Wiedergutmachung zu schaffen. Mit dem Schweigen bzw lediglich internen Auseinandersetzung zu vielen Prozessen haben wir viele Personen verletzt, die keine internen Einblicke haben. Die Angst davor, etwas falsches zu sagen, gemischt mit dem Dilemma keine einheitliche IfZ Meinung wiedergeben zu können hat uns gelähmt. Wir möchten uns dafür entschuldigen und dies ab jetzt besser machen. Dieser Report ist relativ lang, da wir viele Prozesse aus den letzten 1-3 Jahren abbilden möchten.

 

Wir geben euch heute Updates über:

× Finanzen
× Aufarbeitung von Diskriminierung und diskriminierenden Strukturen
____Aufarbeitung: trans- und queerfeindliche Diskriminierung
____Secu-Streik
____Aufarbeitung: rassistische Strukturen & Diskriminierung
____Post: „Solidarität mit Israel“ 2021
____Keffiyeh – Vorfall 2021
____“Techno was concerned with the problems of the future”
____Community Meetings & Learnings
× Abschied & Stellenneubesetzung

 

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Finanzen

tl;dr: Finanzen – wie stehts um den Club?
Spoiler: Überhaupt nicht gut. Der Erhalt des Clubs braucht gerade alle Ressourcen auf und wir wissen weder wie lange das noch klappt, noch auf welche Zukunft wir schauen.

 

Its not looking good. Wir sind in ernsthaften finanziellen Schwierigkeiten.
Der unvorhergesehene worst case ist Mitte Juni eingetreten mit der Forderung nach Rückzahlung einer Corona Hilfe des Landes Sachsen von 50.000€. Das ist im Vergleich zum Gesamtbetrag aller Corona Hilfen nicht viel, aber erstens ist es bereits die zweite Corona Hilfe des Landes Sachsen, die wir zurück zahlen mussten – Danke für nichts an dieser Stelle – und zweitens ist das Geld ja längst zweckgebunden ausgegeben worden.
Diese 50.000€ waren der Puffer für Löhne und Miete, mit dem wir durch die veranstaltungsfreie Zeit im Sommer kommen wollten. Daraus wird nun nichts mehr.

Das eigentliche Problem sind aber ausbleibende Einnahmen. Der Club hat sich nach Corona nicht mehr richtig erholt. Uns fehlen im Durchschnitt 100 – 200 Gäste am Wochenende. Kulturbetriebe, vor allem solche wie wir, die eigenständig wirtschaften und nicht institutionell gefördert werden, arbeiten immer an der wirtschaftlichen Schmerzgrenze, mit hohem Risiko und sehr geringer Gewinnmarge. Gewinn heisst dabei nicht persönlicher oder individueller Profit, sondern notwendiger Puffer für die nächste ins Wasser gefallene Veranstaltung oder auch viel wichtiger: progressive Konzepte, die zwar nicht die Masse ansprechen, aber kulturell besonders wertvoll sind. Das bedeutet auch, dass kleine Misserfolge bereits großen Schaden anrichten können, was die Flexibilität und Handlungsfähigkeit des Betriebs angeht. Und wir haben den Punkt von kleinen Misserfolgen bereits überschritten.

 

Warum ist das so?
Der ganzen Branche geht es mies. In ganz Europa schließen Clubs, streichen Festivals ihre Bühnen, weil sie nicht genug Tickets verkaufen. Nur überdrehte und als Techno angestrichene EDM Mega Events oder kleine DIY Buden im Ehrenamt funktionieren. Feiern ist, wie alles andere auch, teuerer geworden, man überlegt zweimal ob und wie oft man sich den Clubeintritt leisten kann. Kultur ist das erste, woran man spart, wenn man knapp bei Kasse ist. Uns persönlich geht es ganz genau so. Auch unsere Bareinnahmen haben sich nach Corona nicht mehr erholt und sinken stetig weiter.
Desweiteren hat mit den drei Pandemie Jahren eine ganze Generation von Raver:innen den Anschluss und Einbindung an bestehende Netzwerke in den lebendigen Club Communities verpasst, während die letzte Generation wohlverdient ausgestiegen ist. Diese Lücke spüren alle Spielstätten in Europa – mit Ausnahme einiger big player, überwiegend in Berlin, „techno capital of the world“.

 

Aber, Schuld sind nicht nur die Anderen. Wir müssen uns auch an die eigene Nase fassen. Wir haben in den letzten Jahren oft nicht den richtigen Ton gefunden: Die Kommunikation nach außen wurde kritisiert als zu transparent oder nicht transparent genug. Verkürzte Reaktionen auf politische Ereignisse haben zu Irritationen geführt, genauso wenn wir nicht reagiert haben. Wir haben nicht ausreichend dafür gesorgt, dass der Club als sicherer Raum für marginalisierte Teile unserer Community erlebt werden kann. Auch auf uns als Team konnten wir nicht ausreichend gut Acht geben und haben einige Leute verloren durch zu hohe mentale Arbeitsbelastung. Musikalisch haben wir weder Stammis noch neue Leute ausreichend gut abgeholt. Wir werden auf die Punkte weiter unten noch eingehen.

 

Wie lange es so noch weitergeht wissen wir nicht, wir möchten Preiserhöhungen vermeiden um so niedrigschwellig wie möglich zu bleiben, können dies aber nicht versprechen. Alle anderen möglichen Stellschrauben prüfen wir gerade. In jedem Fall sind wir wie immer auf euren Support angewiesen.

 

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Aufarbeitung von Diskriminierung und diskriminierenden Strukturen

tl;dr: Strukturell verändert sich gerade einiges im IfZ. Wir arbeiten vergangene Vorfälle von Diskriminierung im Club auf und erarbeiten gerade ein neues Konzept für die Tür, die alte Türstruktur wurde aufgelöst. Unser Selecting ist BIPoC und FLINTA* only besetzt. Wir schulen unsere komplette Crew mit Workshopangeboten zu den Themen Queerness, Rassismus und Umgang mit Betroffenen v. sexualisierter Gewalt.

 

Aufarbeitung: trans- und queerfeindliche Diskriminierung

In der Vergangenheit gab es Vorwürfe über rassistische sowie trans- und queerfeindliche Verhaltensweisen und Äußerungen, patriarchale Strukturen haben sich innerhalb der Secu AG verselbstständigt und marginalisierte Stimmen zum Schweigen gebracht. Zu lange hat der Club im Sinne der AG Autonomie hier nicht eingegriffen. Hilfsangebote wurden seitens der Secu AG nicht ausreichend und zielführend wahrgenommen, das Vertrauen in den Club (vor allem in die Büro AG) hat gefehlt, Versuche zur Aufarbeitung sind gescheitert.

Wir arbeiten aktuell an einem neuen Secu Konzept, welches diskriminierungssensibel denkt und handelt. Die alte Struktur gibt es nicht mehr, es sind nur noch Personen in der AG, die diesen Weg mit uns gehen wollen. Es wird weitere Bewerbungsprozesse geben, dazu gibt es bald weitere Infos. Wir wollen nun zum einen nach vorne blicken und sehen darin die Chance zur neuen Saison auf eine Türbesetzung, die solidarisch hinter einem diskriminierungssensiblen Konzept steht und dieses auch praktisch anwenden kann. Dennoch möchten wir auch transparent machen, wie es dazu kam:

 

Hintergründe

Anfang des Jahres kam es auf einer Veranstaltung zu einem Rauswurf einer Person, die von anderen Gäst*innen als bedrohlich wahrgenommen wurde und diese sich gewünscht haben den Raum nicht mit genannter Person zu teilen. Wir handeln – vor allem in der Nacht, die es mit unseren Kapazitäten nicht zulässt andere (z.B. transformative) Konzepte anzuwenden – nach Definitionsmacht. Dieses Konzept konnten, wie sich später herausstellte, nicht alle damaligen IfZ Secus mittragen, oder waren damit nicht vertraut. Die Schichtleitungs-Secu in dieser Nacht konnte jedoch die Bedürfnisse der Gäst*innen nachvollziehen und hat daher entschieden den Rauswurf umzusetzen. Die Person hat die Bitte zu gehen respektiert und hat den Club verlassen.
Die Situation eskalierte, als sich mehrere Freund*innen und Bekannte, darunter auch Mitarbeitende des IfZ und der damaligen IfZ Secu einmischten und den Rauswurf in Frage stellten. In der Nachbereitung dieser Situation, die zum Teil direkt danach intern und informell, sowie in offiziellem AG-Plenumsrahmen eine Woche später stattgefunden hat, kam es zu transfeindlichen Äußerungen und unfairen Forderungen und Konsequenzen gegenüber der Schichtleitungs-Secu und queerfeindliche Haltungen wurden in der Besprechung der Gesamtsituation sichtbar. Die AG konnte ab diesem Zeitpunkt den Konflikt und die Diskriminierungsäußerungen nicht mehr eigenständig aufarbeiten, trans Personen aus der AG mussten als Reaktion darauf ihre Arbeit niederlegen, da ihre Sicherheit nicht mehr gewährleistet war. Betroffene aus der AG wandten sich hilfesuchend ans Büro. Außerdem gingen von mehreren trans und queeren Personen Vetos gegenüber einzelnen Secus beim Clubrat ein (ein Verfahren welches es bis dahin so nicht gab, und daher auch die Handhabe fehlte und Prozesse in die Länge zog und Fehler passiert sind). Daraufhin wurden mehrere moderierte Treffen iniitiert, die gemeinsam mit einer Büroperson, einer Clubratsperson, sowie zwei Support Personen durchgeführt wurden. Zunächst wurde eine Chronologie des Abends erarbeitet um den Ablauf zu rekonstruieren, da es sehr laute Kritik an der Durchführung des Rauswurfs seitens einiger Secu Mitglieder gab. Hier konnte gemeinsam Konsens gefunden wurden, dass der Rauswurf im Sinne der Definitionsmacht und den im Club geltenden Abläufen, bis auf kleinere Feinheiten, korrekt abgelaufen ist. Weiter wurde der Versuch unternommen die Vorwürfe der Transfeindlichkeit zu besprechen. Es gab zwar erste Schritte in Richtung Verständnis, Wiedergutmachung und “Aufeinanderzugehen”, aber nur einzelne Personen haben sich bei den Betroffenen entschuldigt, die Personen die solidarisch hinter den Betroffenen standen waren in der Unterzahl. Mit wechselnden Teilnehmenden auf den Treffen haben sich auch die Dynamiken verändert. Auch weitere strukturelle Missstände innerhalb der AG wurden sichtbar. Das Machtgefälle innderhalb der AG, die Wissensunterschiede in puncto Awareness und die fehlende Bereitschaft zur Selbstreflexion zwangen die Moderationsgruppe den Prozess in der Form abzubrechen, um weitere Verletzungen bei den Betroffenen zu verhindern.

 

Da dies ein sehr unzufriedenstellendes Ergebnis war und große Teile der Secu AG ihre Reflexionsprozesse nicht transparent machten, hat das Büro in Absprache mit Betroffenen und dem Clubrat die Secu AG mit den gesammelten Vorwürfen konfrontiert und einen Strukturwechsel gefordert: Eine Reform der aktuellen Secu Struktur, die durch ein “FLINTA* & Ally” Konzept ersetzt werden sollte. Die Idee war, dass sobald das Konzept steht, alle prüfen können ob sie dahinter stehen können und sich dann in einem Bewerbungsverfahren, welches auch von Queers “überprüft” wird, neu bewerben können. Dieser Vorschlag konnte der AG nicht so kommuniziert werden wie er gedacht war, sondern wurde als direkte Kündigung für alle verstanden. Für die Verfahrensfehler und den Anteil an der Eskalation haben sich Clubrat und Büro entschuldigt. Letztlich haben alle Beteiligten unter der langwirigen Aufarbeitung gelitten und die Dynamik hat sich verselbstständigt in Gossip und Stellvertreter*innen/Grabenkämpfe, die relativ unkontrollierbar nicht mehr gut eingefangen werden konnten.

 

Der Secu Streik

Als Reaktion auf den schlecht vermittelten Vorschlag des Büros und des Clubrats veröffentlichten Teile der Secu AG wenige Tage später ein Statement mit Streikankündigung zum Wochenende – dem IfZ Geburtstagswochenende – und riefen den Club sowie andere Türcrews und Läden in Leipzig und bundesweit zu Solidarität mit der AG auf. Im Streikstatement wurden verschiedene Kritikpunkte am Verhalten des Büros und den Clubstrukturen subsumiert. Während einige der Forderungen der Secu nachvollziehbar und berechtigt sind, zum Beispiel die befristeten Arbeitsverträge und geringe Bezahlung, erschien der Zeitpunkt dieses Arbeitskampfes als unpassend und hat damit abgelenkt von den Bedürfnissen und Forderungen von betroffenen Queers im Club. Teile der Kritik an den Secu Strukturen wurden von der Secu anerkannt, eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Vorwürfen und Entschuldigungen bei Betroffenen blieben beim streikenden Anteil jedoch überwiegend aus. Das Büro sowie der Clubrat reagierten mit jeweils eigenen Stellungnahmen auf den Streik und so konnten durch viele Gespräche und Gegenseitiges Verständnis weitere Brüche innerhalb der Crew verhindert werden. Ein Großteil der Crew hat erst durch das Streikstatement vom Ausmaß des Konfliktes erfahren und hier hat es innerhalb des Clubs an Transparenz gefehlt, wofür das Büro Verantwortung übernehmen muss. Teile der Secu AG, die sich nicht am Streik beteiligt haben konnten gemeinsam mit externen Secus eine Clubschließung am Geburtstagswochenende verhindern. Gesprächsangebote seiten des Büros wurden von den Streikenden nicht angenommen. Letztlich brauchte es mehrfach externe Moderationshilfe sowie viele Einzelgespräche, um die durch den Streik aufgekommenen Irritationen aufzulösen, was viele nicht vorhandene Ressourcen geschluckt hat.

 

Würden wir das wieder so machen?

Ja. Es ist wichtig sich hinter marginalisierte Gruppen und Einzelpersonen zu stellen und notfalls zu deren Schutz wichtige IfZ Grundregeln, wie die AG Autonomie, auszuhebeln. Aus den gemachten formalen Fehlern müssen wir dennoch lernen.

Wir halten an dem ursprünglichen Plan, ein neues IfZ Secu Konzept auf die Beine zu stellen fest, werden die Sommerpause intensiv dafür nutzen und planen zum Start der neuen Saison fertig zu sein. Das Konzept wird diskriminierungssensibel sein, Betroffenheit mitdenken und unsere Secus, die selbst auch möglichst viele verschiedene Perspektiven und Identitäten repräsentieren sollen, auch praktisch auf diese Herausforderungen vorbereiten. Wir vernetzen uns dafür mit FLINTA* Türen bundesweit und konnten dank einer Förderung Workshops zu Awareness in Sachen Trans- und Queerfeindlichkeit sowie Antirassismus und Umgang mit Betroffenen von sexualisierter Gewalt organisieren und dieses Jahr noch durchführen.

Eine eigene Antwort auf die fehlende Sichtbarkeit von Queers und deren Interessen im Club hatte die neue Partycrew “Saft”. Die Crew versteht sich als queer* und politische Gruppe im IfZ und hat sich zur Aufgabe gemacht das IfZ von innen heraus queerer zu machen und Netzwerke zu stärken. Die ersten zwei Partys waren bereits ein voller Erfolg und eine starke Fusion aus queeren* und BIPoC DJs und Performances.

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Aufarbeitung: rassistische Strukturen & Diskriminierung

Über die Jahre gab es mehrere Situationen in denen im IfZ (von Mitarbeitenden und Gästen) Mitglieder der BIPoC Community verletzt und diskriminiert wurden, Vorfälle von rassistischer Diskriminierung durch den Club nicht ernst genug genommen und/oder aufgearbeitet wurden sowie spezifische Eskalationsmomente. Auf einige davon werden wir nun genauer eingehen und Transparenz über den aktuellen Stand geben möchten.

Uns sind mehrere Situationen bekannt, in denen BIPoCs an der Tür abgewiesen wurden oder bei ihrem Aufenthalt im Club rassistische Behandlung durch IfZ Mitarbeitende benannt haben. Zu lange hat der Club das nicht ernst genug genommen, der Austausch zwischen der Secu AG und dem Rest des Clubs war nicht ausreichend gewährleistet, viele Vorfälle sind wahrscheinlich nicht weitergeleitet worden, es gab nur in Extremfällen Entschuldigungen bei Betroffenen.
Beschwerden von Personen, die abgewiesen wurden, erhält der Club fast jedes Wochenende. Das Wissen darum, dass so eine Erfahrung als BIPoC sich aber unterscheidet von den Erfahrungen die weiße Personen machen, konnten wir praktisch nicht umsetzen. Internalisierter Rassismus beeinflusst außerdem die Entscheidung, wen man als “für die Party geeignet” einstuft und wen nicht. Auch das wurde nicht ausreichend und regelmäßig genug reflektiert. Hinzukommt, dass unser Türpersonal überwiegend weiß ist und es hier – wie an allen anderen Stellen im Club – mehr Perspektiven und Identitäten braucht um einen respektvollen Umgang auch in schwierigen Situationen gewährleisten zu können.

Unser Selecting ist eine der sensibelsten Positionen im ganzen Club und muss ständig machtkritisch hinterfragt werden. Aktuell arbeiten in dieser Position nur Queers* und BIPoCs und daran soll sich auch nichts ändern.

 

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Post: “Solidarität mit Israel”

Im Mai 2021 wurde über den IfZ Instagram Account ein Kundgebungsaufruf geteilt. Auf dem Flyer ist zu sehen “Solidarität mit Israel” “Gegen jeden Antisemitismus”, die Details zur Kundgebung sowie mehrere Logos bzw symbole: ein Davidstern, das Logo der IDF sowie das Antifa Logo. Dieser Post wurde geteilt mit den Worten “Gegen jeden Antisemitismus” und gängigen Demohinweisen (aufeinander acht geben, in Gruppen kommen, Mund & Nasenschutz verwenden). Der Israel-Palästina Konflikt hat zu diesem Zeitpunkt einen neuen Höhepunkt innerhalb des letzten Jahrzehnts erreicht und viele Menschenleben, vor allem auf palästinensischer Seite gekostet. Von vielen BIPoCs wurde die Positionierung zu Israel und fehlende Kontextualisierung in Kombination mit dem Logo der IDF auf dem Flyer nicht nur als unsensibel wahrgenommen, sondern hat komplett in Frage gestellt ob das IfZ ein sicherer Ort für sie sein kann.

 

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Keffiyeh – Vorfall

Während einer Music Of Color Veranstaltung im Sommer 2021 zog eine Person, die sich bereits auf dem Gelände befand, ihre Keffiyeh an. Sie wurde darauf hin gebeten diese auszuziehen, da eine weitere Person das Tuch als bedrohliches und antisemitisches Symbol einordnete. Da die Person, die das Tuch trug, dieses nicht ablegen wollte wurde sie mit Verweis auf Hausrecht gebeten zu gehen. Immer mehr Menschen involvierten sich. Die verantwortliche Nightmanagerin nahm die Person mit dem Tuch zur Seite und beide konnten ein sehr aufschlussreiches und wertschätzendes Gespräch führen mit dem (mit Unterbrechung mit anderen Mitarbeitenden rückgesprochenen) Ergebnis, dass die Person mit Tuch bleiben kann. Es wurde durch das Gespräch klar, dass die Durchsetzung des Tuchverbots sein Ziel verfehlt und dass Situationen manchmal zu komplex sind um sie mit einer unterkomplexen Regel zu lösen. In der Zwischenzeit konnten die wenigen anwesenden IfZ Mitarbeitenden die hochgekochten Gefühle von Veranstaltungscrew und Supporter*innen nicht beruhigen und befanden sich in einer Situation, die sie als bedrohlich und aufgeladen wahrgenommen haben. MoC wurde zwar mitgeteilt, dass die Person mit dem Tuch bleiben kann, die klärenden Gespräche (von Ansprache bis Klärung sind etwa 2 Stunden vergangen) haben für die Veranstaltenden allerdings zu lange gedauert. Die Veranstaltung wurde mit Verweis auf Solidarität mit der tuchtragenden Person von Music Of Color abgebrochen und viele Gäste verließen geschlossen den Außenbereich.

Der Vorfall konnte bis heute nicht abschließend aufgearbeitet werden. Es gab einige Versuche, die alle nicht funktioniert haben. Es gab darüber hinaus noch weitere Konfliktlinien, die nicht aufgelöst werden konnten. Mit einzelnen Personen von Music Of Color arbeiten wir immer noch oder wieder sehr gut zusammen und sind in gutem Kontakt, mit anderen nicht und versuchen hier jetzt nochmal einen neuen Anlauf.

Eine einheitliche Positionierung von allen IfZ Mitarbeitenden zum hochkomplexen Israel-Palästina Konflikt gab es nie und wird es auch nie geben. Das IfZ hat mit Handlungen in der Vergangenheit und Kommunikation nach außen allerdings diesen Eindruck vermittelt und die Positionierungen wurden auch vom Großteil der Crew getragen bzw. kaum problematisiert. Unumstößlicher Konsens muss weiterhin die klare Haltung gegen Antisemitsmus bleiben. Wie das genau aussehen kann, welche Perspektiven hier Gewicht bekommen, welche roten Linien nicht überschritten werden können, welche Rolle der BDS für kulturelle Akteure spielt und welche Handhabe ein Club wie das IfZ überhaupt leisten kann – all das muss aktualisiert und neu diskutiert werden und wir befinden uns dafür gerade in den Anfängen der Planung. Teile der IfZ Crew glauben, dass ein Keffiyeh-Verbot nicht mehr zeitgemäß ist und die eigene Rolle in einer weißen Mehrheitsgesellschaft nicht ausreichend reflektiert. Andere Teile sind besorgt, dass jüdischen Personen, die im IfZ einen safer space sehen, dadurch Raum genommen wird. Fest steht: Diskriminierungsformen sollten niemals gegeneinander ausgespielt werden. Wie wir das als Club in Zukunft umsetzen können, werden ausstehende Prozesse zeigen.

 

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“Techno was concerned with the problems of the future”

An einem der ikonischsten Orte innerhalb des IfZ befindet sich ein Zitat von Underground Resistance bzw. Mike Banks (aka Mad Mike) “Techno was concerned with the problems of the future”.

 

Im Rahmen einer Kunstaktion wurde das Zitat damals von der Künstlerin Vanessa A. Opoku (neben weiteren Zitaten im Club) an der Säule auf TRAKT I angebracht. Ein Abbild dieses Werkes hat der Club in zwei Merchaktionen auf Handtücher (die die Säule symbolisieren sollten) drucken lassen und damit Einnahmen generiert. Dies wurde zwar mit Vanessa A. Opoku rückgesprochen, jedoch hat niemand vom IfZ hinterfragt inwiefern vor allem die Einnahmen damit kulturelle Aneignung bedeuten. Das Zitat hat über die Jahre ein Eigenleben entwickelt und wurde durch die Platzierung an der Säule immer mehr mit dem IfZ selbst verbunden. Darauf hingewiesen und zu Recht kritisiert wurde das IfZ 2020 von Menschen aus dem Vary und 2021 von Menschen von Music Of Color, wofür wir uns bedanken möchten. Der Aufarbeitungsprozess dazu hat (wie so oft im IfZ) zu lange gedauert, und es wurde zu wenig Verantwortung übernommen, konnte mittlerweile aber vollständig abgeschlossen werden mit folgendenen Maßnahmen:

 

____Alle AGs haben sich mit der Problematik auseinandergesetzt und konnten die Kritik nachvollziehen

____Problematisch waren die Unsichtbarmachung von schwarzen Stimmen, die finanzielle Bereicherung damit und das fehlende Bewusstsein dafür, zurückzuführen auf einen strukturell rassistischen Blick

____Um den Ursprung des Zitats wieder sichtbar zu machen, wurde an der Säule das Underground Resistance Logo und “mad mike banks” ergänzt (Es wurde auch diskutiert das Zitat ganz zu entfernen, dies fühlte sich aber nach “fehler einfach übermalen” an und wurde daher abgelehnt)

____Der Club hat alle Gewinne, die mit den Verkäufen erzielt wurden an die Underground Music Acadamy, einer von Mike Banks mit begründeten Musikschule von Underground Resistance in Detroit, weitergeleitet

____Dafür gab es erstes Feedback, dass wir auch ein lokales BIPoC Projekt hätten unterstützen können, was wir beim nächsten Mal auf jeden Fall mitdenken

 

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Community Treffen & Learnings

tl;dr: Wir haben uns mit Vertreter*innen der BIPoC Community getroffen und arbeiten vergangene Verletzungen, Brüche und Diskriminierungserfahrungen auf. Wir danken allen, die uns das Vertrauen geben es besser zu machen und BIPoC Perspektiven im Club stärker zu fördern und sichtbarer zu machen. Das betrifft Gäste, die Crew und Artists! Als Maßnahme für mehr Accountability in diesen Prozessen ist auch dieses Format entstanden. Danke!

Nachdem die Vorbereitungen bereits letzten Herbst begonnen haben, konnte Anfang Juni endlich das erste Community Treffen mit Vertreter*innen der Leipziger BIPoC Community, die Akteur*innen der Clubszene sind und/oder schlechte Erfahrungen im IfZ machen mussten, stattfinden. Wir danken euch auch an dieser Stelle nochmal für die ehrlichen Worte, eure Zeit und Energie. Wir wissen das zu schätzen. Wir möchten einige Ergebnisse dieses Treffens transparent machen und deutlich machen, welche ersten Veränderungen wir dadurch anstoßen konnten:

 

____Über Vorfälle schweigen ist schlimmer, als ein „nicht perfektes“ Statement zu verfassen; es lässt Leute hängen und verletzt Gefühle

____Weniger Versprechen, die aber dafür eingehalten werden können schafft Authentizität und gegenseitiges Vertrauen

____Die aktuelle Clubszene ist strukturell rassistisch: Wir müssen das gemeinsam durchbrechen, Sichtbarkeit schaffen und Ressourcen freimachen für (linke) BIPoC Projekte und Artists

____Es existiert ein Spannungsfeld zwischen IfZ als Unternehmen und als Kollektiv, was wir nicht auflösen können, aber vielleicht workarounds finden (aka der Club hat eigentlich kein Geld für Strukturarbeit, aber ohne Strukturarbeit kein Club, wie wir ihn uns vorstellen)

 

Aufgaben, die wir aktuell umsetzen:

____Wir prüfen, wie sich das Community Feedback auf unsere Strukturen übertragen lässt, welche Stellschrauben einfach gestellt werden können und wo es mehr (z.B. externe Hilfe) braucht
____Mehr Transparenz nach innen und außen
____Wir aktualisieren gerade unsere Einstellungskriterien bei Stellenbesetzungen und sensibilisieren uns dahingehend, was es bedeutet und braucht um möglichst viele Perspektiven in den Club miteinzubeziehen
____Wir recherchieren Fördertöpfe, die weitere Strukturveränderungen ermöglichen und hoffen eine Stelle schaffen zu können, die sich explizit mit Diversity Management und Antidiskriminierung auseinander setzt und dieses intersektional denkt
____Wir führen noch dieses Jahr Workshops zu den Themen Trans- und Queerfeindlichkeit, Antirassismus und den Umgang mit Betroffenen von (sexualisierter) Gewalt durch und bringen die ganze Crew auf einen gemeinsamen Wissensstand
____Wir planen aktuell schon das nächste Community Treffen im Oktober, um weiterhin im Austausch zu bleiben und gemeinsame Prozesse für die Zukunft anzugehen

Unser Wunsch ist es mit dem IfZ einen Raum zu schaffen, den alle, die ihn besuchen, mitgestalten können und in dem es Solidarität, Empowerment und Pleasure geben kann. Dafür braucht es Regeln und commitments, die intersektional gedacht werden und marginalisierte Perspektiven explizit sichtbar machen.

 

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Abschied & Stellenneubesetzung

Nach über 9 Jahren müssen wir uns im Frühjahr von Wiebke trennen, die die letzten Jahre in den Bereichen Personal und Buchhaltung echte Wunder vollbracht hat. Und auch abseits deiner eigentlichen Aufgaben ist es kaum in Worte zu fassen, was du dem Laden gegeben hast, Wiebke. So viele Konfliktsituationen sind besonders durch deine Ruhe und Besonnenheit für alle gut ausgegangen. Ohne dein Mastermind hätten viele viele Probleme nicht verhindert werden können. Ohne dein offenes Ohr wären viele Tränen nicht getrocknet. Deine Kreativität hat aus jeder Tristesse noch ein Highlight hervorgebracht und dein Stilbewusstsein hat uns vor vielen peinlichen Faux-Pas bewahrt. Den Rest der Lobeshymne, die sich keine wie du so verdient hat, sparen wir uns für den richtigen Abschied auf.

 

Also liebe Buchhalter*innen und Personaler*innen: Haltet die Augen auf ab August, da werden wir die Stelle ausschreiben und euch weitere Infos zu den Aufgabenbereichen geben.

 

Wir sind am Ende des ersten Reports. Ihr könnt euer Feedback zum Format gern per Mail an info@ifz.me senden. Danke fürs Lesen und euren Support.

 

 

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